Anti-Mystik und Exkarnation

Ein Zitat von Thorsten Dietz aus seinem Talk mit Jay und Gofi (Hossa Talk #159), das bestens zum Anliegen des netz-klosters passt:

Wenn wir in der Bibel lesen, sehen wir, dass die Welt im Alten Testament gottoffen ist. Gott ist in der Welt präsent. Die Bäume loben ihn, die Himmel verkünden seine Ehre, die Sonne geht ihm zur Freude auf. Das heutige intellektuelle Christentum - was Anti-Natur, Anti-Mystik, Anti-Gefühl ist -, das ist gerade nicht biblisch, sondern eine Entfremdungsgeschichte, bei der uns ganz viel verloren gegangen ist. Oder kürzer: Inkarnation ist die (Er-)Lösung, Exkarnation das Problem.

Anliegen christlicher Mystik ist die Überwindung dieses von Dietz angesprochenen Dualismus. In der Kontemplation findet zusammen, was zusammengehört. Im Schweigen werden wir uns als Teil der komplexen Schöpfung bewusst. Nur wenn das göttliche Geheimnis der Stille erfahren wird, kann daraus eine integrierende Lebenspraxis entstehen. Darum stehen im netz-kloster die gemeinsame Übung und das Schweigen im Zentrum.